1 Wann schmeckt Leitungswasser am besten?
Geschmacklich entfaltet Leitungswasser bei einer Trinktemperatur von 8 bis 12 °C seine Optimalwirkung. Ist es deutlich kälter, empfinden wir es als unangenehm und ist es deutlich wärmer als schal. Je höher der Mineralgehalt des Wassers ist, desto wärmer kann es sein, um dennoch mit Genuss getrunken zu werden. So darf Heilwasser für ein wohltuendes Geschmackserlebnis ruhig etwas wärmer sein.
2 Bei welcher Temperatur ist Trinkwasser am gesündesten?
Die Trinktemperatur ändert nichts daran, was im Leitungswasser steckt. Sie beeinflusst aber, wie gern und wie viel Sie trinken: Eine Übersichtsarbeit australischer Sportwissenschaftler um Catriona Burdon (International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 2012) fand, dass kühle Getränke den meisten Menschen besser schmecken und in größerer Menge getrunken werden. Und auf die Menge kommt es an, denn Wasser trägt zur Erhaltung normaler körperlicher und kognitiver Funktionen bei, wenn Sie täglich mindestens 2 Liter aus allen Quellen aufnehmen. Zudem hängt die richtige Trinktemperatur von der Außentemperatur ab. Grundsätzlich gilt: Der Körper bringt jedes Getränk auf seine eigene Temperatur von 36 bis 37 °C, kaltes Wasser wird also erst einmal aufgewärmt.
Kalt unter 25, warm über 55
Bei drückender Sommerhitze ist eiskaltes Wasser deshalb nicht automatisch die beste Wahl. Forscher der Universität Ottawa um Ollie Jay ließen Probanden bei trockener Raumluft Rad fahren und gaben ihnen Wasser mit 1,5, 10, 37 oder 50 °C (Acta Physiologica, 2012): Mit dem 50 °C warmen Wasser schwitzten sie mehr und speicherten unter dem Strich weniger Wärme im Körper, solange der Schweiß vollständig verdunsten konnte. Bei schwüler Luft, in der Schweiß eher abtropft, gilt dieser Effekt nach Angabe der Autoren nicht. Die fernöstliche Medizin empfiehlt aus diesen Gründen ausschließlich das Trinken von warmem Wasser.
In den Wüsten Arabiens trinken die Bewohner passend dazu traditionell warmen Tee. Bei grimmiger Kälte sollte das Leitungswasser hingegen besser zum Aufbereiten heißer Getränke genutzt werden, denn diese halten den Körper warm und verhindern das Auskühlen.
Temperaturen bis zu 50 °C sind für Europäer unerträglich. Doch die Araber wissen sich zu helfen: mit langen reflektierenden Gewändern und warmem Tee.
3 Weitere Vorteile von warmem Wasser
Hinzu kommt das Gefühl von Wärme: Ein warmes Getränk empfinden viele Menschen als entspannend, ähnlich wie eine Tasse Tee am Abend. Der Hamburger Internist und Ernährungsmediziner Dr. Dr. Matthias Riedl empfiehlt warmes Wasser oder Tee als Begleitung besonders fetthaltiger Speisen, weil sich Fette seiner Ansicht nach darin besser lösen und erwärmt feiner verteilt in den Darm gelangen.
Beim Aufstehen ist ein Glas warmes Wasser für viele ein sanfter Start in den Tag, gerade wenn der Magen morgens noch nichts Kaltes mag. In der traditionellen chinesischen Medizin ist warmes Wasser ein Alltagsgetränk, und auch Ernährungsmediziner wie Dr. Matthias Riedl raten im Alltag öfter dazu. Die häufigsten Gründe, warum Menschen zu warmem Wasser greifen:
- leichteres Trinken größerer Mengen
- kein Kältereiz in Mund und Magen, auch direkt nach dem Essen
- bessere Lösung von Fetten
- angenehme Wärme an kalten Tagen
- gute Basis für eine Scheibe Zitrone oder frische Minze
- ein warmes Getränk ganz ohne Koffein und Zucker
- ein ruhiges Ritual für die Pause zwischendurch
4 Gefahr von Keimbildung durch zu warmes Wasser in Leitungen
In den Leitungen selbst gelten allerdings hinsichtlich der Temperatur andere Gesetze als für das Trinken. Hier ist warmes Wasser nämlich schädlich. Legionellen verbreiten sich bereits ab Temperaturen von 25 °C besonders schnell. Dies geschieht immer dann, wenn sich in den Rohren ein Biofilm gebildet hat oder das Wasser aus anderen Gründen in den Leitungen stagniert.
Auch andere Keime können sich bei warmen Temperaturen schneller vermehren. Warmes, lange stehendes Wasser kann zudem mehr Kupfer aus den Leitungen lösen – mehr dazu in unserem Artikel Kupfer im Trinkwasser.
Konkrete Zahlen dazu liefert das DVGW-Arbeitsblatt W 551, auf dessen technische Regeln sich die Trinkwasserverordnung bei der Legionellenprävention stützt:
- Kaltwasser sollte auch nach kurzem Ablaufenlassen (rund 30 Sekunden) unter 25 °C bleiben
- Warmwasser muss dagegen im gesamten Leitungssystem mindestens 55 °C erreichen
- und am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 °C betragen, damit sich Legionellen nicht vermehren können
Abhilfe schafft der passende Filtereinsatz. Es gibt spezielle Filtereinsätze, die mittels einer Hohlfaser-Membran als zweiter Filterstufe zusätzlich zum Aktivkohleblock eine Keimsperre bilden. In wärmeren Gefilden (bei über 25° unter der Spüle) bietet sich ein solcher Filtereinsatz besonders an, um Keimen den Gar auszumachen. Legionellen gelangen vor allem über fein zerstäubtes Wasser in die Atemwege, etwa beim Duschen, wie das Robert Koch-Institut beschreibt. Deshalb lohnt sich auch ein Blick auf unsere Duschfilter und darauf, was sie zurückhalten.
5 Häufige Fragen zur Leitungswassertemperatur
Welche Temperatur hat Leitungswasser zum Trinken am besten?
Geschmacklich entfaltet Leitungswasser bei 8 bis 12 °C seine Optimalwirkung. Deutlich kälteres Wasser wirkt unangenehm, deutlich wärmeres schal.
Warum ist warmes Wasser in Leitungen gefährlich?
Legionellen verbreiten sich bereits ab Temperaturen von 25 °C besonders schnell, vor allem wenn sich in den Rohren ein Biofilm gebildet hat oder das Wasser stagniert.
Welche Temperaturen schreibt das DVGW-Arbeitsblatt W 551 vor?
Kaltwasser sollte auch nach kurzem Ablaufenlassen unter 25 °C bleiben. Warmwasser muss im gesamten Leitungssystem mindestens 55 °C und am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 °C erreichen, damit sich Legionellen nicht vermehren können.
Kann ein Wasserfilter vor Legionellen schützen?
Spezielle Filtereinsätze mit einer Hohlfaser-Membran als zweiter Filterstufe zusätzlich zum Aktivkohleblock bilden eine Keimsperre – besonders sinnvoll, wenn es unter der Spüle wärmer als 25 °C wird.
6 Fazit
Zum Trinken schmeckt Leitungswasser am besten bei 8 bis 12 °C, während es in den Leitungen selbst kalt bleiben sollte: unter 25 °C, um Legionellen keine Chance zu geben. Warmwasser wiederum muss im System hohe Temperaturen erreichen, damit sich Keime dort gerade nicht vermehren können.
8 bis 12 °C schmecken am besten.
Unter 25 °C halten, sonst drohen Legionellen.
Eine Hohlfaser-Membran schützt zusätzlich, wenn es unter der Spüle warm wird.
Quellen
- NDR - Legionellen im Trinkwasser: Temperatur richtig einstellen
- DVGW e.V. Erhöhte Wassertemperaturen
- DVGW e.V. Vermeidung von Legionellen im Trinkwasser (Arbeitsblatt W 551)
- DVGW e.V. Verbraucherinformation Trinkwasser-Installation: Heizungsraum (60 °C am Trinkwassererwärmer, 55 °C im System)
- Gesetze im Internet - Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
Ähnliche Artikel:

